Sushi in Suhl

Schneewittchenkuchen, Knödel, Christstollen – obwohl die DDR nun wirklich nicht dafür bekannt gewesen ist, Vielfalt und Exotik zu fördern, haben es einige Gerichte auch in die heutige Zeit geschafft. Nicht zu Unrecht! Dass es auch ganz anders ging, zeigt der von Regisseur Carsten Fiebeler produzierte Film „Sushi in Suhl“. Selbst wenn künstlerische Freiheit allgegenwärtig ist, basiert der Stoff dennoch auf einer wahren Begebenheit.

In Thüringen handeln Rolf Anschütz (Uwe Steimle) und seine Frau Ingrid (Julia Richter) streng nach Vorschrift. In ihrem aalglatten Gasthof „Waffenschmied“ hat nicht einmal das System etwas auszusetzen. Doch Rolf möchte mehr: Aus reinem Spaß lädt er seine Freunde auf einen selbst inszenierten japanischen Abend ein. Komplett mit einem eigens für den Abend kreierten Ambiente kommt die Veranstaltung so gut an, dass selbst die Lokalpresse darauf aufmerksam wird. „Waffenschmied“ wird zur Sensation im Ort – sogar japanische Gäste wollen sich umsehen und die heimeligen Speisen genießen. Die strenge Handelsorganisation ist zuerst überhaupt nicht begeistert, sieht allerdings die Möglichkeit, einen guten Eindruck auf das kapitalistische Japan machen zu können. Doch mit dem Erfolg kommt auch die Ernüchterung: Rolf verliert zunehmend den Boden unter den Füßen, hebt im wahrsten Sinne des Wortes ab und steckt plötzlich in der größten Krise seines Lebens.

„Sushi in Suhl“ zeigt eindrucksvoll auf, wie unerwartet der Durchbruch gelingen kann. Dabei folgt der Film nicht nur dem auch heute noch beliebten japanischen Gericht, kritisiert ebenfalls nicht ausschließlich den zweifelhaften Charme der DDR – im großen Mittelpunkt steht die Suche nach der eigenen Identität. Mit Tücken und Hindernissen wird nicht gespart. „Sushi in Suhl“ erfindet das Rad der Zeit nicht neu, ist eine nahezu typische Geschichte vom schmalen Grad zwischen Erfolg und Misserfolg, versprüht aber 90 Minuten lang eine angenehme Atmosphäre, die nachdenklich stimmt und durchaus betroffen macht. Ein eigener japanischer Abend zwischen Deko, Sushi und der DVD kann in jedem Fall nicht schaden!

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